Zu Besuch beim Fachgroßhändler für Inkontinenzprodukte

Anlässlich des internationalen Inkontinenztages öffnete die Firma Johann A. Meyer in Wildau der MAZ ihre Tür. Die Mitarbeiter zeigen: Inkontinenz muss heutzutage kein unlösbares Problem mehr sein.
Vivien Liss (l.), Jörg Horländer und Silvia Langkammer vor der Firma Johann A. Meyer in Wildau. Quelle: Jonas Nayda (MAZ)









Wildau.

Kartons so weit das Auge reicht: Fast zehn Meter hoch ragen die prall gefüllten Regale in der riesigen Halle der Firma Johann A. Meyer in Wildau empor. Auf 4000 Quadratmetern Lagerfläche stapeln sich unter anderem Klopapier, Hautcreme, Windeln, Slipeinlagen und reichlich weitere Hygieneartikel.


Blick in die Lagerhalle der Firma Meyer in Wildau: Hier warten rund 7000
verschiedene Produkte darauf, ausgeliefert zu werden. Quelle: Jonas Nayda (MAZ)



Vieles von dem, was es dort gibt, findet man nicht in einem normalen Supermarkt. Tatsächlich gehören einige Produkte, die in der Wildauer Firma lagern und weiterverkauft werden, eher zu der Sorte Dinge, über die nicht viel gesprochen wird. Doch früher oder später kommt fast jeder Mensch mit ihnen in Berührung. Es geht um Inkontinenzprodukte (IKP), die dann gebraucht werden, wenn Menschen ihren Harndrang oder Stuhlgang nicht mehr kontrollieren können.

Firma im Jahr 1900 gegründet

Die Firma wurde im Jahr 1900 von Johann A. Meyer gegründet und stellte zunächst Backpulver her. Seit den 1980er-Jahren vertreibt sie auch IKP. In Wildau ist das Unternehmen noch neu. Das Gebäude im Gewerbepark Wildau an der A10 wurde erst im Jahr 2014 bezogen. Aktuell arbeiten 69 Menschen beim Fachgroßhändler Johann A. Meyer.


Seit 2014 direkt neben der A10 in Wildau: Das neue Logistikzentrum der Firma
Johann A. Meyer. Quelle: Jonas Nayda (MAZ)


10 Millionen Menschen leiden an Inkontinenz

In Deutschland leiden laut dem Selbsthilfeverband Inkontinenz zehn Millionen Menschen an dieser Art von Blasenschwäche. Besonders häufig betroffen sind Menschen hohen Alters, da die gesunden Körperfunktionen mit der Lebenszeit immer mehr nachzulassen drohen.

„Inkontinenz ist bei vielen ein sehr schambehaftetes Thema. Dabei betrifft es immer mehr Menschen“, sagt Vivien Liss, Mitarbeiterin im Innendienst bei Meyer in Wildau. Die Lebenserwartung der Menschen steige, es gebe immer mehr ältere Menschen und deshalb steige auch die Zahl der von Inkontinenz Betroffenen.

Tabuthema vor allem bei Männern

Männer haben laut Vivien Liss häufiger Schwierigkeiten damit, über Inkontinenz zu sprechen, als Frauen. „Wenn das Problem allerdings so groß wird, dass die Menschen nicht mehr ohne Weiteres am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, brauchen sie unsere Hilfe“, sagt Liss.

Doch nicht immer ist das Alter Schuld an der Blasenschwäche, Gründe können beispielsweise auch eine Operation oder die Geburt eines Kindes sein. Für beinahe jeden Fall habe die Industrie inzwischen ein Hilfsmittel entwickelt, erklärt Vivien Liss. Was viele Patienten nicht wissen: Die Krankenkassen zahlen für IKP in der Regel mindestens eine Pauschale.

Das Leben erleichtern

Zwar können Einlagen oder besondere Unterhosen die Inkontinenz nicht beheben, aber sie sollen den Patienten so weit wie möglich das Leben erleichtern. „Heutzutage gibt es modernste Produkte, die wirklich gut funktionieren. Das war vor 20 Jahren noch ganz anders“, sagt Liss.

Bei der Firma Meyer können Betroffene nicht nur Slipeinlagen und sogenannte Pants kaufen, sondern sich auch individuell beraten lassen. Das ist unter anderem der Job von Vivien Liss und ihrer Kollegin Silvia Langkammer. „Wir führen hier in Wildau zunächst eine Anamnese durch, bei der wir herausfinden, was der Patient wirklich braucht. Dann suchen wir gemeinsam das Passende heraus“, erklärt Langkammer.



Silvia Langkammer arbeitet im Innendienst bei der Firma Meyer in Wildau. Sie berät
Kunden, die wegen Inkontinenz Hilfe brauchen. Quelle: Jonas Nayda (MAZ)



Doch nur für den Verkauf an Privatpersonen wäre das riesige Lager der Firma nicht nötig. Von Wildau aus beliefert die Firma Meyer täglich viele Pflegeheime und Krankenhäuser in der Region. Jede Nacht werden auf dem Firmengelände bis zu elf Lkws beladen, die dann Berlin und Brandenburg versorgen. Geschäftsleiter Jörg Horländer ist stolz auf das, was er und seine Mitarbeiter leisten: „Wir schaffen es, mit unserer eigenen Logistik rund 3000 Patienten jeden Monat zu helfen“, sagt er.

Krankenschwestern gesucht

Mitarbeiter im Außendienst fahren direkt zu den Altersheimen oder Krankenhäusern und informieren dort über das Sortiment von Meyer. Für diese Tätigkeit werden immer erfahrene Krankenschwestern gesucht, die im Umgang mit Patienten geübt sind und wissen, worauf es ankommt.

Besonders wichtig bei Inkontinenz ist das Thema Hygiene. Deshalb vertreibt die Firma Meyer parrallel zu den IKP auch alle möglichen Hygieneartikel. Das Geschäft läuft gut, die Firma baut ihr Lager aus, so dass noch in diesem Jahr die Größe des Warendepots um fast die Hälfte anwachsen wird.

Von Jonas Nayda (MAZ)

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